Boulez, Pierre

Frankreich
1925

Pierre Boulez, der eigentlich erst Mathematik und technische Wissenschaften studieren wollte, wurde 1943 Kompositionsschüler von Olivier Messiaen am Pariser Konservatorium und studierte dann 1945/46 bei Andrée Vaurabourg, der Gattin von Arthur Honegger, und René Leibowitz. Er war 1946–1956 musikalischer Leiter des Ensembles Madeleine Renaud/Jean-Louis Barrault im Théâtre Marigny. 1951 beschäftigte er sich in der Groupe de Recherches Musicales von Pierre Schaeffer mit der Musique concrète und besuchte 1952 erstmals die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Dort wirkte er 1955–1967 als Dozent und als Dirigent des Darmstädter Kammerensembles.

1954 gründete er in Paris die Konzertreihe Domaine Musical, die er bis 1967 leitete, und wurde Gastdirigent des Südwestfunk-Orchesters in Baden-Baden. Außerdem lehrte er 1960–1963 an der Musikakademie in Basel und 1963 an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). 1966 debütierte er als Wagner-Dirigent mit dem Parsifal bei den Bayreuther Festspielen, wo er von 1976 bis 1980 den Ring des Nibelungen in der zunächst umstrittenen Inszenierung von Patrice Chéreau dirigierte.

1967–1972 wurde er Gastdirigent des Cleveland Orchestra, 1971–1975 leitete er das BBC Symphony Orchestra und 1971–1977 als Nachfolger von Leonard Bernstein das New York Philharmonic Orchestra. Er gründete in Paris am Centre Beaubourg das Institute de Recherche et de Coordination Acoustique-Musique (IRCAM), dessen Direktor er 1976–1992 war. Ebenfalls in Paris war er Gründer und 1976–1979 Leiter des Ensemble InterContemporain (EIC). Seit den 90er Jahren arbeitete Boulez als Dirigent in Konzerten und CD-Einspielungen überwiegend mit führenden Traditionsorchestern zusammen, unter anderem den Berliner Philharmonikern und den Wiener Philharmonikern. 2004 kehrte er als Dirigent des Parsifal (Inszenierung: Christoph Schlingensief) nach Bayreuth zurück.

Unter der Leitung von Boulez wurden am 17. Oktober 2008 auf den Donaueschinger Musiktagen beim Eröffnungskonzert Stücke von Fabián Panisello, Isabel Mundry und Enno Poppe mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg uraufgeführt und sein eigenes Werk Figures – Doubles – Prismes (1963/1968).

Am 31. Juli 2011 wurde Boulez während der Salzburger Festspiele mit dem Ehrenzeichen des Landes Salzburg geehrt. Zu seinen Ehren wurden bei der Verleihung seine eigenen Werke aufgeführt durch den damals 17-jährigen Pianisten Hyeonjun Jo.

Pierre Boulez lebt in Baden-Baden. Seine Treue zu Baden-Baden dankte ihm die Stadt im Januar 2004 mit der Verleihung der Goldenen Ehrenmedaille.